„Life gave me lots of short sticks – and I took them all. My father died when I was 17 years old. 90 percent of myself died with him as I was a total daddy’s girl. I was devastated and even dropped out of apprenticeship. But I fought to gain my life back. In my 20s, I was working in gardening and landscape when they asked me if I was willing to work on a cemetery. Sure, I said. Then they asked if I was able to carry urns. Uhm, how should I know? I wanted to make sure that I could work it, so I bought a medicine ball and used to carry it around the park. Well, it worked and that’s how I suddenly started working on a cemetery and I never dropped an urn since. Later, it was again very sudden (I was only 27!) that I became the director of the cemetery.
In my job I’m having to deal with death on a daily base and I see it as the natural circle of life. The bad thing about it is not that somebody died – but that everything just keeps going as if the person had never existed. Next day the sun rises just as usual. It’s hard to deal with that. Some deaths still distress me, but my job took away the fear. One of the most important things is to talk about death and that’s what I always did. I never locked the door for suffering. In contrary: I always opened the door and said hello.“
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“Das Leben hat mir viele Arschkarten gegen – und ich habe sie alle genommen. Mein Vater starb als ich 17 war. Damals sind 90 Prozent von mir mitgestorben, denn ich war ein absolutes Papakind. Es hat mich sehr mitgenommen, meine Ausbildung habe ich abgebrochen. Aber ich habe hart um mein Leben gekämpft. Als ich dann später irgendwann im Garten- und Landschaftsbau gearbeitet habe, boten sie mir an, auf dem Friedhof zu arbeiten. Klar, das fand ich völlig ok. Dann fragten sie mich, ob ich Urnen tragen könne. Tja, woher sollte ich das wissen? Ich wollte sichergehen, dass ich das kann. Also kaufte ich mir einen Medizinball und lief damit immer durch den Park, um zu sehen wie das läuft. Es ging gut und so bin ich dann plötzlich Beisetzerin geworden. Und bis heute habe ich keine Urne fallengelassen. Später bin ich dann genauso von heute auf morgen (ich war ja erst 27!) Friedhofsleiterin geworden.
Bei meinem Job habe ich täglich mit dem Tod zu tun und betrachte ihn mittlerweile als den natürlichen Kreislauf des Lebens. Das Schlimme am Tod ist nicht, dass jemand stirbt, sondern dass alles trotzdem weitergeht als wäre derjenige nie gewesen. Am nächsten Tag geht einfach die Sonne wieder auf. Und damit muss man erstmal umgehen können. Manche Fälle gehen mir immer noch sehr nahe, aber die Arbeit hat mir die Angst genommen. Wichtig ist, dass man darüber spricht. Das habe ich immer getan: Ich hab dem Leid nie die Tür verschlossen, sondern immer geöffnet und Hallo gesagt.”

 

Humans of Berlin