“What I loved, wore me out. I used to work in palliative care for children, eight to twelve hours in their homes. I think growing up in a dysfunctional family made me put all my idealism into this job. It’s probably the most rewarding job, but it is also very demanding – and at the same time a good way to adjust your own perspective. When the child says: ‚Why are you crying? It’s not you that has to die.‘ and ‚Instead of crying you should go outside with me, because you still have a lot of time but I don’t.‘ then first this makes you gulp. But isn’t this a good perspective for your day? Still, the job is wearing you out, especially with a health system that demands you to immediately start working with a new child after one has just died. There is no room for grief. I usually gave 150 percent, but the moment I had private problems and no support, I wasn’t able to stand the pressure. Back then, I was in charge for a little 10 year old boy that I had formed very strong bonds with. Somehow I didn’t really become aware that he was going to die soon. And until then I always thought that his mother would collapse when he dies. But then it was me, who collapsed at the door, crying and screaming. And it was his mother that hold me in his arms. I still blame myself that I should have been there for him a lot more. I didn’t do right what I love. I didn’t give my 150 percent. After that I went into therapy for a long time. Before, I used to be a whirlwind, Jack-of-all-trades. Now I’m 28 years old but hardly resilient, and I’m only about to fight my way back very slowly.”

“Das, was ich liebe, hat mich komplett ausgelaugt. Ich habe in der ambulanten Palliativmedizin für Kinder gearbeitet, acht bis 12 Stunden am Tag bei den Familien zuhause. Ich glaube, dadurch, dass ich eher aus zerrütteten Familienverhältnissen komme, habe ich all meinen Idealismus in die Arbeit dort gesteckt. Es gibt wahrscheinlich keinen dankbareren Job als diesen, aber er fordert auch viel – und er rückt deine Perspektive ordentlich zurecht. Wenn das Kind dir sagt: ‚Warum heulst du denn? Ich muss doch sterben, nicht du!‘ und ‚Statt zu heulen, könntest du lieber mit mir rausgehen, denn du hast noch viel Zeit, aber ich nicht mehr.‘ – dann schluckst du erstmal. Doch ist das nicht eine gute Perspektive, seinen Tag zu meistern? Der Job geht aber an die Substanz, vor allem in unserem Gesundheitssystem, wo du nach dem Tod eines Kindes gleich zum nächsten geschickt wirst. Für Trauer ist da nicht viel Raum. Ich gebe normalerweise 150 Prozent, aber in dem Moment, als ich private Probleme und keinen Rückhalt und keinen Ort zum Aufladen mehr hatte, konnte ich dem Druck nicht mehr standhalten. Damals habe ich einen kleinen 10-jährigen Jungen betreut, mit dem ich das engste Verhältnis hatte. Ich habe irgendwie gar nicht richtig registriert, dass er bald sterben wird, das war so weit weg. Ich dachte bis dahin immer, dass seine Mutter zusammenbrechen würde, wenn er stirbt. Aber dann war ich es, die weinend und schreiend in der Tür zusammenbrach. Und seine Mutter nahm mich in den Arm. Ich mache mir heute noch Vorwürfe, dass ich mehr für ihn da sein hätte sollen. Das was ich liebe, habe ich nicht richtig gemacht, ich habe nicht meine üblichen 150 Prozent geleistet. Danach war ich wegen Burnout lange in Therapie. Früher war ich ein Wirbelwind, Hans Dampf in allen Gassen. Und jetzt mit 28 bin ich kaum noch belastbar und kämpfe mich nur sehr langsam zurück.”

Humans of Berlin